Kaufhauskettenspiel (Chain store game)

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Kaufhauskettenspiel: (Chain Store Game)

In diesem Spiel geht es um einen Marktinhaber (Spieler 2), der eine Monopolstellung genießt, und einen Konkurrenten (Spieler 1), welcher sich überlegt, ob er in den Markt des Monopolisten eintreten soll. Der Konkurrent hat also die Wahl zwischen den beiden Strategien, Eintritt in den Markt (E) und Nichteintritt in den Markt (N). Wenn er sich für die Strategie (E) entscheidet, hat der Monopolist zwei Möglichkeiten. Entweder reagiert er Kooperativ (K) (=> beide Spieler haben den Nutzen 2), oder Aggressiv (A) (Monopolist versucht durch Preiskampf die Preise auf dem Markt soweit zu drücken, dass der Konkurrent keinen Gewinn machen kann => beide Spieler haben den Nutzen 0). Wenn der Konkurrent sich für die Strategie (N) entscheidet, macht der Monopolist weiterhin hohe Profite (=> Spieler 2 hat Nutzen 5), und der Konkurrent spart sich gegebenenfalls Kosten, oder verdient irgendwo anders Geld (=> Spieler 1 hat Nutzen 1).

Spielbaum:

                    o 1
                   / \
               N  /   \ E
                 /     \
                o       o 2
              (1,5)    / \
                    A /   \ K
                     /     \
                    o       o
                  (0,0)   (2,2)


Entscheidungsmatrix:

Sp.1\Sp.2 A K
N 1 , 5 1 , 5
E 0 , 0 2 , 2


=> Es gibt zwei Nash-Gleichgewichte:


Chain Store Paradox:

Nun könnte man annehmen, dass es sich bei dem Monopolisten um eine Ladenkette handelt, die in sehr vielen Städten eine Niederlassung hat. In all diesen Städten überlegt jeweils ein Konkurrent, ebenfalls einen Laden zu eröffnen. Löst man dieses Spiel jetzt mit Rückwärtsinduktion, stellt man fest, dass sich der Konkurrent immer für die Strategie (E) und der Monopolist immer für die Strategie (K) entscheiden müsste, da die Strategie (E,K) (das teilspielperfekte Nash-Gleichgewicht) die Strategie (E,A) strikt dominiert. Das Teilspiel könnte also durch die Auszahlung bei der Strategie (E,K) ersetzt werden.

vereinfachter Spielbaum:

                    o 1
                   / \
               N  /   \ E
                 /     \
                o       o 
              (1,5)   (2,2)

Spieler 1 würde stets die Strategie E wählen.

Dies ist aber im wirklichen Leben nicht unbedingt garantiert. Angenommen einige Konkurrenten haben in einigen Städten den Eintritt in den Markt gewagt, und der Monopolist jedes Mal aggressiv auf diesen Eintritt reagiert (=> Ruin für beide Spieler). Jetzt muss man sich die Frage stellen, ob die weiteren Konkurrenten ebenfalls einen Versuch starten wollen in den Markt einzutreten, oder ob das hohe Risiko für einen Ruin sie davon abschreckt. Diese Vorgehensweise des Monopolisten wäre auch nicht irrational, da er unter Umständen mit dieser Strategie seinen Gewinn erhöhen könnte. Es handelt sich hierbei also um ein Paradoxon, da die Strategie (E,K) (das teilspielperfekte Nash-Gleichgewicht) eigentlich die sinnvollste Lösung dieses Spiels wäre, aber in der Realität wohl häufig eine aggressive Strategie gewählt wird, welche für den Monopolisten auch einen Vorteil zur Folge haben könnte.

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